In den letzten Wochen wurde in den Medien berichtet, dass LG Fernseher mithören und Daten für optimierte Werbeausspielung erheben und an den Hersteller senden würden. Zeit, mich mit dem Thema zu befassen und mein Gerät nur für mich zu nutzen.
Der Wurzelmeister werden
Alle Systeme, die irgendwas mit Linux oder Unix zu tun haben, kennen das Prinzip des root (zu Deutsch: Wurzel), was nichts anderes bedeutet, als dass man Zugriff auf das System auf oberster Ebene hat. Also dass man Chef im Hause ist.
Smart-TVs wie die von LG sind nichts anderes, als sehr große Bildschirme mit einem Linux-System im Hintergrund. Bei LG heißt das WebOS. Ich habe keine Ahnung, ob mein Fernseher uns auch ausspioniert, aber statt nur Besitzer der Geräts wäre ich schon gerne auch Chef, daher habe ich den Fernseher ge-root-ed. Es gibt auch einen Developer-Modus, aber wenn schon, dann richtig.
Mein TV ist von 2019, wird also auch nicht mehr so richtig mit Firmware-Updates versorgt, also spricht wenig dagegen, loszulegen.
Der TV wird weiterhin nach Hause telefonieren, auch wenn der Root-Modus ausgeführt wurde. Hierzu braucht es noch weiterer Schritte, die hier ausführlich beschrieben sind.
Schritt 1 ist, herauszufinden, ob (und wie) der Root-Vorgang funktioniert. Dazu gibt es die Webseite cani.rootmy.tv, einfach Typbezeichnung eingeben und herausfinden, wie es gehen kann.

Schritt 2 besteht darin, die geeignete Methode auszuwählen, mit der der Fernseher in den Root-Modus versetzt werden kann. Im Grunde wird beim Rooting eine Sicherheitslücke in der genutzten Firmware ausgenutzt, also ist hier eine möglichst aktuelle Version meist schwieriger, als ältere Varianten. Bei meinem Fernseher läuft ein WebOS 4, da ist noch keine Sicherheitslücke behoben (patched) und ich kann zwischen faultmanager und DejaVuln auswählen.
Um mit faultmanager zu arbeiten, muss der Fernseher in den Developer-Modus, was mir zu aufwändig erschien. Bei DejaVuln reicht es, einen USB-Stick mit ein paar Dateien zu füllen, in den TV zu stecken und im Mediaplayer eine präparierte MP3-Datei abzuspielen. Zack feddich, Schritt 3 erledigt und es gibt eine neue App auf dem Fernseher, die den WebOSBrew-Channel bereitstellt.

Schöne neue Welt
Nun lassen sich Apps installieren, die Tastenbelegungen ändern können (die Movies-Taste öffnet jetzt endlich Plex), Youtube und Amazon ohne Werbung abspielen und vieles mehr.
Der schwierigste Teil bestand darin, einen USB-Stick so zu formatieren, dass der Fernseher ihn problemlos im Mediaplayer erkennt. In einem reinen MacOS-Haushalt reichte auch ExFAT nicht, es musste echtes NTFS sein. Also mittels UTM flott eine virtuelle Win11-Maschine aufgesetzt, Stick formatiert und Dateien draufkopiert. Wer eh einen Windows-Rechner zuhause hat, ist mit allem in etwa fünf bis zehn Minuten durch, wirklich ein Kinderspiel.
Am besten wäre es natürlich, den LG-TV non-smart (also ohne Netzwerkanschluss) zu betreiben, statt dessen dann ein Apple TV oder ähnliches zu verwenden. Da unser Apple TV aber noch keine 4K beherrscht, habe ich diesen Weg gewählt.
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