Solarstrom vom eigenen Balkon

Seit dem 17. Oktober 2024, sind Steckersolargeräte privilegierte bauliche Maßnahmen,. Damit kann man als Vermieter ähnlich wie bei Wallboxen für E-Fahrzeuge oder dem alters- und behindertengerechten Umbau einer Wohnung nur schwer ein Veto erteilen. Theoretisch. Praktisch ist es deutlich schwieriger.

Die Steine im Weg

Mein Vermieter ist aufgrund der kommunalen Trägerschaft eigentlich anderen Werten verpflichtet als rein wirtschaftliche Konzerne wie Vonovia, dennoch hat man sich jahrelang der Idee eines Steckersolargeräts bei Mietern gegenüber abwehrend gehalten. Konkret waren das bei mir ein E-Check auf meine Kosten und die Beauftragung eines externen Dienstleisters für die Bereitstellung und Anbringung des BKW verbunden mit einer Generalvollmacht für den Vermieter, das alles zu organisieren und mich nur zahlen zu lassen. Alles in allem etwa 1400 Euro mit dem Check und der Installation, wobei hier der genaue Kostenpunkt ebenso unklar blieb, wie die Leistung (1 Panel, 2 Panele, Speicher?).

Gemeinsam mit ChatGPT habe ich dann dem Vermieter einen Gegenvorschlag gemacht, der zumindest dazu geführt hat, dass die Rechtsabteilung Kontakt aufgenommen hat und einen Brief geschickt hat. Im April. Bis August hat sie dann nicht mehr auf meine Kontaktversuche reagiert. Kontaktversuche mit Sammelrufnummer oder Mail wurden geflissentlich ignoriert, bis August.

Ich war bereit, das Schweigen als Zustimmung zu sehen und habe brav dokumentiert, was ich als nächstes tun werde. In meiner letzten Mail kündigte ich an, dass alles Material vorhanden ist und ich nunmehr in der nächsten Woche das BKW befestigen würde. Dann ging es auf einmal schnell. Erst kam - zum ersten Mal - eine Abwesenheitsnachricht vom Sachbearbeiter aus der Rechtsabteilung und wenige Stunden später eine Entschuldigung und der Verweis auf einen neuen Prozess, weshalb die Rückmeldung so lange gedauert habe. Als Bedingung wurde hier weiterhin genannt, dass ein Fachbetrieb die Installation vornehmen müsse. Um des lieben Friedens willen habe ich dann via myhammer einen Betrieb um die Ecke gefunden, der auch wenige Tage später vorbeikam.

Privilegierte Maßnahme Hin oder Her, wer nicht auf sein Recht besteht und etwas Gas gibt, dürfte hier bei vielen Vermietern lange warten. Es braucht eine Genehmigung des Vermieters, die darf er aber nicht verweigern. Blöd, wenn der dann tote Fliege spielt und man im Niemandsland ist. Dann gibt es quasi zwei Wege: Den Vermieter verklagen, dass er die Genehmigung erteilt oder warten, dass der Vermieter selbst klagt, weil man das BKW aufgehangen hat ohne explizite Erlaubnis (siehe z.B. Landgericht Hamburg AZ 311 S 44/24). Da ich eigentlich von der Rechtsabteilung schon gewisse Zugeständnisse hatte, habe ich den Brief so interpretiert, dass grundsätzlich ein BKW genehmigt wäre und mich getraut - zugegeben mit einer Rechtschutzversicherung im Rücken.

2 Solarpanele am Balkon mit Regentropfen
Am Montagetag war es eher naß

Lohnt sich der Ärger?

Rein monetär betrachtet kommt man bei einem Strompreis von 29,9 Cent (die hiesigen Stadtwerke Stand August 2026) relativ weit. Ich habe für 389 Euro ein relativ teures Set ohne Halterung gekauft, das alleine wären schon über 1.340 kWh. In Summe über alles komme ich sogar auf einen Invest von ca. 3.580 kWh. Das entspricht dem Verbrauch eines ganzen Jahres. Manche Seiten rechnen sehr großzügig, dass ein BKW 800kWh pro Jahr erwirtschaften kann, aber das erreicht man nur bei idealen Bedingungen. Bei mir hängen die Panele mit 90° senkrecht am Balkon und die Ausrichtung mit ca 245° Südwest ist nur halb ideal, außerdem verschwindet die Sonne im Winter schneller hinter den Häusern im Westen, daher ist der Ertrag da sicher etwas geringer. Gemini schätzt mein Maximum aktuell auf ca. 650 bis 720 kWh pro Jahr. Etwas über fünf Jahre würde dann die Amortisation dauern. Solange der Strompreis nicht steigt und ich all den produzierten Strom verbrauche. Ohne Speicher wandert der sonst direkt ins Netz und verpufft.

Viel wichtiger ist der emotionale Aspekt für mich. Ich habe eine Eiswürfelmaschine, bei der ich regelmäßig ein schlechtes Gewissen habe, sie einzusetzen. So richtig sinnvoll ist sie auch nur bei warmen Wetter. Und siehe, jetzt kann ich beruhigt bei bestem Sonnenschein die Maschine herausholen und meine Eiswürfel energetisch und auch ökonomisch zum Nulltarif herstellen. Fühlt sich deutlich besser an. Außerdem ist es wie bei einer Wetterstation, die Statistiken und Möglichkeiten zur Auswertung allein sind schon ein spannendes Hobby.

Aktuelle Leistung, heutiger Ertrag, Bilanz, ROI Prognose, Gesamtenergie und Letzte Aktualisierung im HASS Dashboard
Home Assistant Dashboard für den Wechselrichter

Fazit

Teil der Energiewende zu sein, fühlt sich gut an. Es fühlt sich aber auch so an, als wäre man trotz §554 BGB für privilegierte Maßnahmen auch zwei Jahre später noch der totale Pionier. Es braucht mehr Pioniere, damit sich die Energiewende normalisiert. Für mich kann ich definitiv sagen, dass es sich lohnt. Macht doch mit!

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