Social Web Detox

Stephan Hochhaus · December 4, 2021

Die zwei Seiten der Medaille sind bei Social Media extrem ausgeprägt. Vor einigen Jahren war ich noch ein großer Fan, inzwischen ist mein Facebook-Account gekündigt, Flickr sowieso seit Ewigkeiten, Twitter scheint nur von einem Shitstorm zum nächsten zu hechten, bei Instagram finde ich nur noch Reels von mäßig guten TikTok-Pranks. Social Media scheint - für mich - durchgespielt, so richtig aufregend ist das alles nicht mehr - im Gegenteil. Bei vielen Seiten habe ich das Bedürfnis, nicht mehr Teil der Gemeinschaft zu sein. Zu viel Stress und Negativität und das unerträgliche Doom-Scrolling für mich. Ein paar wenige Seiten gibt es jedoch noch, die ich gerne nutze, wenngleich auch nicht unbedingt täglich.

Im Hintergrund läuft eigentlich immer last.fm mit, alles was ich höre, scrobble ich seit der Pandemie wieder. Da ich nicht der einzige bin, der mit meinen Accounts hört, sind die Ergebnisse ganz spannend, aber zwischendurch schaue ich doch ganz gerne auf die Statistiken oder lasse mich zu neuer Musik inspirieren. Sämtliche Social-Features bei Spotify habe ich schon länger abgeschaltet, das habe ich nie richtig genutzt.

Auch wenn ich manchmal vergesse, ein Buch einzutragen, so nutze ich Goodreads sehr gerne, um neue Empfehlungen zu finden, oder ehrliche Rezensionen zu lesen. Allerdings muss man wissen, dass Goodreads seit einiger Zeit zum Amazon-Konzern gehört, also ganz so unabhängig wie das in die Jahre gekommene Design der Seite anmuten lässt, ist man dort nicht.

Seit 2017 bin ich bei Letterboxd, vergesse aber dort noch viel mehr als bei Goodreads, all die gesehenen Filme einzutragen. Dafür ist der soziale Aspekt so viel höher als bei der Branchendatenbank IMDb. Schade, dass Netflix & Co keinen automatischen Export unterstützen.

Deutlich angenehmer als alle anderen sozialen Netzwerke finde ich Reddit, was sich auch 2021 immer noch ein wenig nach Nerd-Social anfühlt. Vermutlich, weil es nie so recht im deutschen Mainstream angekommen ist. Deutlich bessere Umgangsformen als ehedem bei Facebook und unglaublich viele Gruppen, in denen jeder stundenlang abtauchen kann.

Wie bei vermeintlichem Body-Detox glaube ich, dass einmal jährlich eine Woche Abstinenz von negativen Diensten die richtige Strategie für nachhaltig entspannten Umgang mit dem Netz ist. Dann lieber mehr Zeit dort verbringen, wo weniger Toxizität und mehr social im Vordergrund steht.

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